Online-Therapie und Beratung bei Ängsten und Depressionen

Seit Anfang 2019 biete ich in meiner Praxis in Seewald, neben der Therapie vor Ort, auch die Möglichkeit online an Beratungsstunden bzw. Therapiesitzungen teilzunehmen. Mit dieser Form der Beratung habe ich eigentlich schon immer mal geliebäugelt, weil ich eine Schwäche für Technik habe. Als dann das Portal, das ich schon zur Online-Terminvergabe nutzte, auch eine sichere Möglichkeit zur Online-Videosprechstunde anbot, habe ich mich sofort in die Recherche gestürzt.
Ich hatte anfangs einfach nur den Vorteil der Zeitersparnis vor Augen. Aber durch meine Recherche bin ich zu sehr vielen unterschiedlichen Sichtweisen, also einem Für und Wider für eine Online-Videoberatung gekommen. Aber dazu später.

Online-Therapie

Schon gleich zu Anfang kann ich sagen, dass Therapie oder Beratung per Video eine gute Sache ist. Mittlerweile hat es nun Studien[1] zu diesem Thema gegeben. Die Studien sind sich darüber einig, dass die Beratung über das Internet letztlich zum gleichen Ergebnis, also einer Verbesserung der Situation des Ratsuchenden, kommt – mit einigen wenigen Einschränkungen.

 

Der springende Punkt sind die Erfahrungen der Therapeutin[2] und die seelische Verfassung der Klientin. Wenn eine Therapeutin, weil sie Berufsanfängerin ist, noch nicht so viel Erfahrung hat, dann kann das leicht dazu führen, dass die Ergebnisse von Beratung oder Therapie schlechter ausfallen. Das liegt vor allem daran, dass eine unerfahrene Therapeutin noch keine Spezialistin für nonverbale Kommunikation ist oder dass es ihr schwerer fällt, schnell eine gute Beziehung aufzubauen.

 

Wenn jemand zu mir in die Beratung kommt, dann nehme ich als Therapeutin sehr viel mehr wahr, als das gesprochene Wort. Ich kann der Person in die Augen sehen und sehe, dass sie traurig ist. Ich sehe vielleicht ihre hängenden Schultern oder die Hände, die die Frau unbewusst zur Faust ballt. Ich sehe ob die Halsschlagader schnell pulsiert oder ob die Frau bleich aussieht. Am Klang der Stimme kann ich feststellen, ob die Frau fröhlich, traurig, niedergeschlagen oder wütend ist.

 

Bei der Onlineberatung ist es so, dass in den meisten Fällen die Sicht nicht so gut wie im persönlichen Gespräch ist. Mitunter sind nämlich die Internetverbindung oder die Webcam nicht so zufriedenstellend. In der Folge ist die Person unter Umständen etwas flau oder verpixelt zu sehen. Zudem sehe ich nur den Oberkörper bzw. das Gesicht. Je nach Räumlichkeit ist auch der Klang der Stimme anders. Aus diesen Gründen ist die therapeutische Erfahrung so besonders wichtig. Nur durch dieses Erfahrungswissen kann man- trotz der etwas schlechter Sicht oder der schlechter hörbaren Kommunikation und dem gesprochenen Wort- die richtigen Schlüsse ziehen.

 

Eine weitere Herausforderung ist die Tatsache, dass man in der Videoberatung nicht so viele verschiedene therapeutische Interventionsmöglichkeiten hat. Da muss ich mir als Therapeutin einfach etwas einfallen lassen. Und nicht zuletzt ist die persönliche seelische Situation der Rat suchenden Frau ebenfalls zu berücksichtigen. Menschen, die sich in einer persönlichen tiefen psychischen Krise befinden und die weit entfernt wohnen, kann ich nicht behandeln. Mir fehlt hier das Hilfenetz von anderen Ärztinnen oder Einrichtungen, an die ich die Menschen dann verweisen könnte. Das Risiko, dass mir kleinste Details entgehen und ich nicht so für diese Menschen da sein kann, wie es Situation und meine Vorstellung von Unterstützung erfordern, kann ich nicht tragen. Dafür sind diese Menschen zu wertvoll.

 

Resümee aus 1 ½ Jahren Onlineberatung

Weil ich aus Sigmaringen weggegangen und in den schönen Schwarzwald gekommen bin, mussten einige Klientinnen die Beratung oder Therapie bei mir beenden. Mit einigen war ich trotzdem noch in telefonischem Kontakt.

 

Dann hat sich die Gelegenheit der Online-Videosprechstunde angeboten. So waren ich und die Klientinnen nicht mehr nur telefonisch im Kontakt, sondern wir konnten uns nun auch sehen. Das führte zu einer Verbesserung und Erleichterung der Kommunikation auf beiden Seiten.

 

Mir war hinsichtlich der Onlineberatung wichtig, dass für den Schutz der ganz persönlichen Gespräche eine sichere Leitung vorhanden ist. Das Arzt-Patienten-Portal Jameda stellt eine solche, zertifizierte und für die Telemedizin zugelassene, sichere Leitung für Ärztinnen und Therapeutinnen zur Verfügung. Nach ein paar technischen Fehlschlägen konnte ich – Gott sei Dank – schnell zu einer gewissen Routine finden. Für manche Klientinnen stellte die Technik auch eine Herausforderung dar. Aber mit meiner Anleitung und der wirklich guten Handhabbarkeit ließen sich diese Schwierigkeiten in der Regel im Handumdrehen überwinden.

 

Im Übrigen ist meine Tochter und Mitarbeiterin Maria Kunze gerade dabei, einen kleinen Leitfaden zum Ablauf von der Termin Buchung bis zum Zeitpunkt der online-Beratungsstunde zu erstellen.

 

Die Rückmeldung meiner Online – Klientinnen ist durch die Bank weg positiv. Alle Anfangsschwierigkeiten mit Ton, Kamera oder Anmeldung usw. waren leicht zu bewältigen. Und natürlich fänden es alle schöner, wenn man sich persönlich treffen und sich die Hand geben könnte. Doch im Zuge der Corona Pandemie hat die Onlineberatung zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Unter meinen Klientinnen gibt es einige Risikopatientinnen, die für diese Art der Beratung bzw. Therapie sehr dankbar sind. Alle finden es zudem praktisch, keine Anfahrtswege zu haben.

 

Also ich fasse noch einmal zusammen:

Die Fähigkeit mit Menschen in einen guten und tragfähigen Kontakt zu kommen, die praktische und die kommunikative Erfahrung des Coaches oder der Therapeutin sind die Knackpunkte für den Erfolg einer Beratung oder Therapie in der Onlineversion.

Außerdem gibt es Menschen, die mit einer Online-Sprechstunde überhaupt nichts anfangen können. Für sie ist der persönliche Kontakt das ausschlaggebende und hilfreiche Moment. Das gleiche gilt für Beratungsgespräche.

 

Hier noch einmal die Argumente, die für eine Online-Beratung oder Online-Therapie sprechen:

 

Zeitersparnis

Du kannst ohne einen langen Fahrweg und großen Aufwand eine Expertin um Rat fragen. Leider entgeht dir dadurch auch etwas Vorbereitungszeit bzw. zeitlicher Abstand vom Alltag verloren. Geschickt wäre es daher, sich vor und nach jeder Sitzung etwas Zeit einzuplanen, um sich nicht zusätzlich gehetzt zu fühlen oder um Inhalte der psychologischen Online-Beratung zu verinnerlichen. Am besten wäre es, wenn du für die Beratungszeit Zettel und Stift bereitlegst. Dann kannst du dir einige wichtige Details notieren und hast sie nachher immer noch präsent.

 

​Online-Betreuung

Ich kann dich durch die Onlinepräsenz auch beraten, wenn du weit abgelegen wohnst! Jedoch werden sich die Menschen, denen eine echtes Gegenüber – also ein echter Kontakt – wichtig ist oder für die der Umgang mit der Technik nervenaufreibend ist, schwerer auf dieses Angebot einlassen. Neben der Online-Betreuung gibt es die Möglichkeit vor Ort. Wenn du sehr weit weg wohnst und dir ein Präsenstermin vor Ort enorm wichtig ist, dann besteht die Möglichkeit einer Übernachtung vor Ort und die Veränderung des Beratungssettings. Du kannst mich gerne danach fragen und ich würde dir die Kontaktdaten für eine Übernachtung in einer schönen Pension vor Ort zukommen lassen.

 

Normalität

Niemand in der Familie muss bemerken, dass du dir Hilfe von außerhalb holst. Wenn du magst, kann die Beratung wie ein normales Gespräch mit einer Freundin aussehen.

Anonymität

Du kannst anonym bleiben, wenn du das wünschst! Es ist nicht zwingend notwendig, dass du die Kamera einschaltest, wenn du das nicht willst. Jedoch gehen dadurch sehr viele Informationen über Gestik und Mimik verloren. Ich biete ein kostenloses, halbstündiges Kennenlerngespräch per Video an. Dort kannst du prüfen – ohne dass du die Kamera einschaltest – ob für dich eine Zusammenarbeit infrage kommt. Die meisten Menschen können dann ins Vertrauen gehen und während der regulären Onlineberatung die Kamera anschalten.

 

Örtliche Flexibilität

Du musst nicht von zu Hause aus mit mir sprechen. Du kannst die Beratungszeit wann und wo du willst in Anspruch nehmen. Alles was du brauchst ist eine gute Internetverbindung und eine ruhige Umgebung. Der Nachteil dieser Flexibilität ist die Möglichkeit, dass du durch deine Umgebung abgelenkt werden kannst. Sei daher bei der Wahl der Örtlichkeit vorausschauend, um ungestört mit mir sprechen zu können.

 

Was tun wenn ich mich depressiv fühle oder Ängste habe?

Depressionen und Ängste stellen aktuell die häufigsten seelischen Erkrankungen dar. Gegenwärtig leiden 4 Millionen Menschen in Deutschland an einer Depression. Also gibt es keinen Grund sich zu schämen oder an sich zu zweifeln. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der jahrelange Druck eines dominanten Elternteils oder eines dominanten Partners zu diesen seelischen Erkrankungen führen können. Denn dieser Druck macht erheblichen Stress. Die Erkrankung an einer Depression oder an Ängsten sind immer multifaktorielle Geschehen, das heißt neben den körperlichen Komponenten spielen soziale Faktoren immer eine Rolle. Beim Coaching von Frauen im eigenen Familienunternehmen biete ich deshalb im Vorfeld oder begleitend therapeutische Unterstützung an, wenn dies gewünscht oder gewollt wird. Mehr zum Thema Ängste kannst du hier nachlesen: Woher kommt meine Angst schwer krank zu werden?, Kann die Psyche Herzbeschwerden verursachen?

Ich hoffe, dass ich dir eine kleine Entscheidungshilfe für die Frage: „wäre eine Onlineberatung das richtige für mich?“ an die Hand geben konnte.

 

Herzliche Grüße

 

 

[1] Hautzinger, M., Fuhr, K. Kann die Online-Therapie die Psychotherapie sinnvoll ergänzen? Pro. Nervenarzt 89, 94–95 (2018).
[2] In diesem Text wird ausschließlich die weibliche Form verwendet. Damit sind alle anderen Formen gleichermaßen mitgemeint.

Kathleen