Bist du die Mutter deines Sohnes oder seine Chefin?

Manchmal würdest du als Chefin in der elterlichen Firma den ehemaligen Inhabern etwas Kritisches sagen wollen. Aber der Respekt vor ihnen hindert dich an einer klaren Kommunikation.

Du hast diese Unklarheit und Zurückhaltung an dir, auch in der Kommunikation gegenüber deinen mitarbeitenden Geschwistern oder den mitarbeitenden Kindern bemerkt.

Du weißt nicht, woran es genau liegt und was du tun kannst?

Daran ist unter Umständen das Rollen-Kuddelmuddel schuld. Mit der Kommunikation in der jeweils richtigen Rolle, wirst du stressärmer kommunizieren können und du kannst manchen Konflikt bereits am Entstehen hindern.

Du lernst in dem Blogbeitrag, etwas über die unterschiedlichen Rollen in Familie und Firma und was passiert, wenn sie sich überschneiden. Warum Erwartungen an Rollen nicht immer erfüllt werden können und wie die Kommunikation in der richtigen Rolle, das Rollen-Kuddelmuddel minimiert oder sogar beendet.

Los geht`s!

 

Rollenkonflikte im FamilienunternehmenÜberall gibt`s Rollen…

Familiär gesehen, bist du das Kind deiner Eltern – damit bist du in der Rolle der Tochter. Aber du bist auch in der Rolle der Schwester deiner Geschwister, wenn du kein Einzelkind bist. Vielleicht bist du die Älteste unter den Geschwistern – auch das ist eine weitere Rolle.

In der Firma ist es nicht viel anders.  Es gibt die Rollen von Mitarbeiter*Innen mit und ohne Personalverantwortung. Es gibt vielleicht den „Alten“, dich als „Chefin“, eine Mitarbeiterin XY – bekannt als der „guten Geist“ oder auch „die Auszubildenden“.

Berufliches und Privates voneinander zu trennen ist in einem Familienunternehmen besonders schwer: Familienmitglieder vereinen und stapeln verschiedene Rollen in sich. Du bist also nicht nur die Chefin und Nachfolgerin des ehemaligen Inhabers, sondern du bist auch Teil seiner Familie – seine Tochter.

 

Halten wir also fest: jeder Mensch hat die unterschiedlichsten Rollen inne und manchmal auch mehrere zugleich

Zusätzlich sind an jede Rolle auch immer ganz bestimmte Erwartungen gebunden.

Deine Mitarbeiter*innen erwarten von der Rolle der „Chefin“, dass sie sich für das Unternehmen einsetzt und den Laden schmeißt. Als „Chefin“ erwartest du von deinen Mitarbeiter*Innen, dass sie deinen Anweisungen Folge leisten.

 

Es gibt also gewisse Erwartungen, die immer an die „Position“ gerichtet sind – egal wer sie ausfüllt. Und wenn die Erwartungen zu unterschiedlich sind, kann man ihnen manchmal nicht gerecht werden.

Wenn man also von dir als Chefin einen hohen Zeiteinsatz erwartet, kann das sehr mit deiner Rolle als Mutter kollidieren. Die Probleme sind vorprogrammiert. Es braucht Klarheit und Verständnis darüber, dass es unmöglich ist, allen Erwartungen gerecht werden zu können.

Deshalb braucht es immer wieder ein Aushandeln und Kompromisslösungen, um diese Belastung tragen zu können.

Das ist einerseits die große Herausforderung, andererseits ist genau diese familiär-berufliche Rollenüberschneidung der Klebstoff – und damit die hilfreiche Unterstützung – bei Konflikten. Auch deshalb, weil man die Familie nicht so schnell kündigen kann und will.

 

Kommunikation in der richtigen Rolle

Bevor du in der richtigen Rolle kommunizieren kannst und weißt, welche Erwartungen andere an dich – ganz formal – haben, musst du dir im ersten Schritt bewusst werden, dass du in jedem Augenblick in einer bestimmten Rolle handelst oder sprichst.

Im 2. Schritt solltest du üben, diese unterschiedlichen Rollen wirklich auch wahr- zu nehmen. Entwickle also ein Gespür dafür, in welcher Rolle du gerade sprichst. Als, Mutter, als Unternehmerin oder als Schwester….

Hier ein Beispiel. Stell dir vor, dein Sohn ist in deinem Unternehmen ein Auszubildender im 2. Lehrjahr und er wohnt noch bei dir zu Hause. Er hat also 2 Rollen inne: die des Sohnes und die des Auszubildenden.

In der Rolle von Auszubildenden wird den jungen Menschen zuerst einmal zugestanden, Fehler machen zu dürfen – weil sie ja noch lernen.

Wie schnell kann das aber in Vergessenheit geraten, wenn du am Wochenende eine ausufernde Party deines Sohnes beenden musstest und du am Montagmorgen als Ausbilderin feststellen musst, dass dein Sohn Bockmist auf Arbeit gebaut hat? In welcher Rolle sprichst du dann? Als gestresste Mutter, die immer noch sauer ist? Als Chefin oder Ausbilderin, die weiß, dass das echt eine Ausnahme war, weil der Auszubildende sonst sehr zuverlässig arbeitet?

 

Du agierst in dieser Situation mit zwei Rollen. In diesen Rollen verfolgst du zugleich unterschiedliche Ziele und sollst unterschiedliche Erwartungen erfüllen:

Als Mutter willst du deinen Sohn zu einem verantwortungsbewussten Menschen erziehen und hast ihm Grenzen gesetzt und bist aber immer noch sauer.

Als Chefin hast du Verständnis mit Auszubildenden und dein Ziel ist es, Fehler bewusst zu machen und ein „daraus lernen“ anzustoßen.

Am Montagmorgen prallen diese Rollen aufeinander. Aber auch dein Sohn ist nicht nur Sohn, sondern auch Auszubildender. Er kann daher einerseits eine sachliche Klärung anstreben und erwartet Geduld von der Chefin. Andererseits hat er es mit seiner Mutter zu tun, die ihm wieder vertrauen soll, weil es seinetwegen am Wochenende Stress gab.

 

Was du tun kannst

In dem o.g. Beispiel wäre deine Aufgabe: erst einmal in Ruhe die Lage sondieren. Also durchatmen, runterkommen und nachdenken.

Und dann könntest für dich klären, wie du es schaffst, nicht in die Rolle der noch etwas wütenden Mutter zu fallen. Es wäre außerdem hilfreich, wenn du deinem Sohn dein Dilemma klar machst.

Deine Enttäuschung, „als Mutter“, macht es dir schwer, in kürzester Zeit in die „Rolle der geduldigen Firmenchefin und Ausbilderin“ zu schlüpfen.

Ähnliches könnte auch im Kontakt mit deinem Vater, dem „Seniorchef“ passieren. Der Senior bespricht mit dir etwas Firmeninternes und äußert Wünsche, denen du nachkommen sollst.  Es kann sein, dass er dich dabei als „seine kleine Tochter“ sieht, die tut, was die die Eltern von ihr wollen. Er sieht dich nicht als Chefin auf gleicher Augenhöhe.

Du könntest deinem Vater klar machen: „als Tochter tue ich gern etwas für dich, weil ich dich liebhabe. Aber als Chefin ist mir das in diesem Fall leider nicht möglich.“

Wenn nicht klar kommuniziert wird, in welcher Rolle man sich gerade befindet oder was man vom Rolleninhaber erwartet, gibt es Unmengen an Verwicklungen. Die machen Stress und beeinflussen das Arbeits- oder das Familienklima eindeutig negativ.

 

Hilfreich ist immer das Offenlegen und Ansprechen dieser Rollen – Konfusion

Wenn du dir nicht sicher bist, dann frage dein Gegenüber (Vater, Sohn oder mitarbeitende Familienangehörige), in welcher Rolle man gerade mit dir spricht.

Thematisiere die Rollen, mögliche Überschneidungen und das Konfliktpotential in einer Teambesprechung in der Firma oder in einem guten Gespräch innerhalb der Familie.

Klasse wäre es, wenn ihr euch eine gemeinsame Strategie überlegt, um die Rollen besser klar zu benennen.

 

5 To-dos, um Berufliches und Familiäres im Familienunternehmen besser zu trennen

  1. Sei dir der unterschiedlichen Rollen, die du ausfüllst, bewusst.
  2. Sei dir darüber im Klaren, dass es unterschiedliche Erwartungen an Rollen gibt, aber dass du nicht allen Erwartungen gerecht werden kannst.
  3. Mache beim Sprechen deutlich, aus welcher Rolle heraus du gerade argumentierst.
  4. Sei offen dafür, dass es nicht auf Anhieb klappen wird und verliere nicht die Geduld
  5. Pack das Rollenthema als Gesprächsthema in deiner Familie und der Firma an

 

Schreibe mir doch in die Kommentare, welches „Rollendilemma“ dir öfter Stress bereitet und ob du schon bewusst diese unterschiedlichen Rollen beim Argumentieren benennst.

 

Hab ein sonniges Wochenende

Kathleen

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